Düngen nach Pflanzengruppen
Stauden – Weniger ist mehr
Stauden sind mehrjährige Pflanzen, die jedes Jahr aus dem Boden austreiben. Ihr Nährstoffbedarf ist deutlich moderater als bei einjährigen Sommerblumen oder Gemüse. Wer Stauden zu üppig düngt, bekommt zwar viel Grün, aber weniger Blüten – und die Pflanzen verlieren ihre natürliche Robustheit.
Empfehlung: Einmal im Frühjahr beim Austrieb eine moderate Gabe Kompost oder organischen Volldünger einarbeiten. Das reicht für die meisten Stauden. Stickstoffbetonte Dünger meiden, da sonst der Wuchs zu weich und anfällig für Pilzkrankheiten wird.
Besondere Stauden:
- Gräser: Brauchen kaum Dünger. Zu viel Stickstoff macht sie floppy und lässt sie auseinanderfallen.
- Hosta (Funkie): Verträgt etwas mehr Stickstoff für üppige Blattentwicklung – aber nur im Frühling.
- Taglilien, Phlox, Rudbeckia: Genügsam; ein Herbstkompost reicht meist.
- Kalkliebende Stauden (Lavendel, Salbei, Thymian): Reagieren empfindlich auf Überdüngung, vor allem mit Stickstoff. Diese Pflanzen kommen aus dem Mittelmeerraum und sind an arme Böden angepasst.
Timing: Stauden nicht nach August düngen – sonst treiben sie noch weich aus und erfrieren im Winter.
Balkonpflanzen in Kübeln und Kästen – Intensivpflege gefragt
Kübel- und Balkonpflanzen leben unter komplett anderen Bedingungen als Gartenpflanzen. Das Substrat ist begrenzt, wird durch regelmäßiges Gießen schnell ausgewaschen und enthält oft nur 6–8 Wochen Nährstoffvorrat ab Kauf.
Die zwei Strategien:
- Langzeitdünger beim Einpflanzen: Depotdünger ins Substrat einarbeiten – er gibt über die gesamte Saison kontrolliert Nährstoffe ab. Praktisch, wenn man nicht täglich gießt.
- Flüssigdünger regelmäßig: Alle 1–2 Wochen einen speziellen Balkon- oder Blütenflüssigdünger ins Gießwasser geben. Diese Dünger sind kaliumreich und etwas stickstoffärmer – ideal für reiche Blüte statt üppigem Blattwerk.
Wichtige Tipps für Kübelpflanzen:
- Immer erst gießen, dann düngen – trockenes Substrat kann konzentrierte Düngerlösung nicht gut puffern und es entstehen Verbrennungen an den Wurzeln.
- Zu Saisonende (ab August/September) die Düngung reduzieren oder einstellen, damit Pflanzen abgehärtet in den Winter/Herbst gehen.
- Überwinterende Kübelpflanzen wie Oleander, Agapanthus oder Kübelbäume im Winter gar nicht düngen – sie ruhen und können Nährstoffe nicht verwerten.
- Spezielle Dünger für saure Substrate (z. B. für Rhododendron oder Hortensien im Topf) beachten – diese enthalten Eisen und sind pH-gerecht formuliert.
Typische Balkonpflanzen und ihr Bedarf:
- Pelargonien (Geranien): Hoher Nährstoffbedarf, kaliumreicher Flüssigdünger alle 1–2 Wochen, fördert Blüte und kräftige Stiele.
- Petunien & Surfinia: Hungrige Wachstumskünstler, wöchentlich düngen, Kalium hoch.
- Begonien: Moderater Bedarf, zweiwöchentliche Flüssigdüngung.
- Kräuter im Topf: Kalkbetonte Substratverbesserung, ansonsten nur wenig organischen Dünger – Stickstoffüberschuss macht die Kräuter weniger aromatisch.
Heimische Gartenpflanzen und Gehölze
Rosen sind die Königin der Düngeansprüche. Sie brauchen von März bis Juli regelmäßig Nährstoffe: Zunächst einen stickstoffbetonten Dünger für den Blattaustrieb, dann ab Mai/Juni auf kaliumreiche Spezialdünger wechseln (Rosendünger). Letzter Düngetermin: Ende Juli. Später gedüngte Rosen bilden weiches Gewebe, das im Winter auffriert.
Hortensien benötigen leicht sauren Boden (pH 4,5–6,0). Wer blaue Farbe bei Ballhortensien haben möchte, düngt mit Aluminiumsulfat und eisenbetontem Rhododendron-Dünger. Kalkhaltige Dünger lassen sie rosa werden. Einmal im Frühjahr und einmal im Juni reicht.
Obstbäume und -sträucher profitieren von einer Frühjahrsdüngung mit Kompost oder organischem Volldünger. Stickstoff fördert Triebwachstum, Kalium die Fruchtqualität. Junobst braucht mehr Stickstoff, ältere tragende Bäume mehr Kalium. Keine Stickstoffdüngung nach Juli – der Trieb muss verholzen.
Hecken und Ziergehölze: Eine Frühjahrsgabe Kompost und bei Bedarf Hornmehl reicht für die meisten Arten. Buchenhecken und Lebensbäume (Thuja) sind etwas anspruchsvoller und reagieren gut auf einen organisch-mineralischen Volldünger im April.
Rhododendren, Azaleen, Kamelien: Brauchen sauer reagierende Spezialprodukte (Rhododendron-Dünger). Normaler Kalkdünger oder basische Dünger schädigen sie. Einmal im Frühjahr nach der Blüte düngen.
Rasenflächen: Rasen hat hohen Stickstoffbedarf und braucht je nach Beanspruchung 3–4 Düngegaben pro Saison. Spezieller Rasendünger enthält das richtige N-P-K-Verhältnis. Im Herbst auf kaliumreiche, stickstoffarme Herbstrasen-Dünger wechseln.
Gemüse- und Nutzgarten
Gemüsepflanzen unterscheiden sich stark in ihrem Nährstoffbedarf:
Starkzehrer (Tomaten, Kürbis, Zucchini, Kohl, Mais, Sellerie): Benötigen viel Stickstoff, Phosphor und Kalium. Tomaten düngen ab dem ersten Fruchtansatz alle 1–2 Wochen mit kaliumreichem Tomatendünger – Kalium ist entscheidend für den Geschmack und die Fruchtqualität.
Mittelzehrer (Salate, Möhren, Zwiebeln, Rote Bete): Moderat düngen, eine Grunddüngung mit Kompost vor der Aussaat genügt meist.
Schwachzehrer (Kräuter, Erbsen, Bohnen, Radieschen): Wenig oder gar nicht zusätzlich düngen. Hülsenfrüchtler (Bohnen, Erbsen) fixieren Luftstickstoff über Knöllchenbakterien – sie brauchen keinen Stickstoffdünger.